Oldiefreunde Pfronten
Oldiefreunde Pfronten

 

Norberts heißer Draht und Rudis heiße Füße

Unsere Oldiefreunde Ausfahrt Gail-Carnica Do 26.- So 29.05.2016

 

Am Fronleichnam Donnerstag starteten 11 Oldiefreunde* in 8 Fahrzeugen mit Sonne flott über Fernpass und alte Brenner Passstraße nach Südtirol, von dort weiter durch das Pustertal nach Osttirol. Hier bogen in Sillian alle - außer Peter - rechts in das Lesachtal ab. Zeit für eine Pause, um den abbiegeunwilligen Ausreißer wieder einzufangen. Im romantischen Lesachtal mit seiner kurvig schmalholprigen Straße, schien die Zeit im letzten Jahrhundert stehen geblieben zu sein. Die anschließende Abfahrt ins Kärntener Gailtal nach Kötschach-Mauthen durch enge Orte und Schluchten sollte uns einen Vorgeschmack auf die Straßen der nächsten Tage geben. Im Gailtaler Hof  angekommen, versorgten uns der oldtimerbegeisterte Gastwirt Hans Engl und seine Tochter Christine sogleich mit einem stärkenden Abendmenü, bei dem wir ihnen als Gastgeschenk einen Kunstdruckmit Steyr Vorkriegsfahrzeugen überreichten.

Am Freitag startete unser Kolönnchen direkt vom Hotel mit frischem Schwung auf den kaum befahrenen Plöckenpass (1347 m) in den Karnischen Alpen und stürzte sich von dort mit flotter Bergabfreude auf den ersten Espresso hinunter ins italienische Friaul, unserem Tagesziel in bella Italia. Plötzlich fehlte Norbert. Ein Kurzschluss mit heiß verschmortem Draht an der Lenksäule hatte seine 4-Takte jäh ersterben lassen. Ein hilfsbereiter, oldtimerbegeisterter Italiener mit kompletter Werkzeug- und Teileausstattung im Lancia Kofferraum konnte Norbert in 15 Minuten wieder in Takt bringen.

Eine traumhafte, einsame Bergstraße führte uns über Sutrio verkurvt auf den 1750 m hohen Passo di Zoncolan, eine historische Strecke des Giro d’Italia.

 

 

Von da aus ging es auf einspurigem Asphaltband mit Zähneknirschen und Kolbenklappern nur noch höllisch bergab, 1250 Höhenmeter auf 8 km, ein Gefälle bis zu 18%. Das hielt die beste Mercedesbremse nicht aus. Bei einem Sammlungsstopp kurz vor dem Tal fuhr zog ein bleichgesichtiger Rudi plötzlich an allen vorbei, bis ihm mit heißgetretenem Fuß auf der wirkungslosen Bremse und verzweifeltem Ziehen der Handbremse der Halt gelang. 

 

 

Seine Fußbremse hatte durch siedende Bremsflüssigkeit völlig versagt. Glücklicherweise gab es im nächsten Ort eine Werkstatt, die uns mit der italienischen Einschätzung: „geht wieder gut, wenn kalt!“ überraschte. Nach mannschaftlicher Oldie Forderung, gab die Werkstatt ihren Widerstand zum Bremsflüssigkeitswechsel dann doch auf. Zumindest kamen während der Werkstattpause alle zu ihrem Espresso und vom Barmann zu einem Anhänger als Erinnerung an unsere abenteuerliche Zoncolan Passfahrt.

Unser nächstes Abenteuerziel war Sauris, das höchstgelegene Dorf im Friaul, eine Sprachinsel mit mittelalterlich deutschem Dialekt. Um dort Einlass zu erhalten, mussten wir uns in einen Tunnel zwängen, dunkel wie eine Einfahrt in die Unterwelt, eng, kurvig und ohne das  berühmte Licht am Ende, bevor aus ihm ein Oldtimer nach dem anderen direkt auf die Staumauer des Sauris Sees wieder ausgespuckt wurde. Als Belohnung für die bestandene Taufe folgte die Erholung in der „Prosciutteria Wolf“ bei feinstem Schinken, Käse und Wein. So lustig ging's zu, dass wegen drohender Fahruntüchtigkeit nach der ein-zwei-drei-wievielten Flasche Wein zum Aufbruch geblasen werden musste.

 

Die Rückfahrt war kilometerweit Genuss ohne Gegenverkehr, dafür mit einem Stopp um die Räumung eines Murenabgangs abzuwarten. Als wir kurvenkehrig nach Kötschach-Mauthen zurückkehrten, hat der Wirt Hans Engl uns mit einem köstlichen Abendmenü wieder aufgerichtet. Als Nachspeise fesselte er uns mit Veteranengeschichten zu seinen zusammen 240 Jahre alten Austro-Tatra 57A, Steyr 100 und Steyr-Gläser 220.

 

 

Am 3. Tag stand bei Sonnenschein das Schmankerl unserer Ausfahrt an, die Bezwingung des Großglockners mit seinen 27 Kehren, der mit über 2500 m höchstgelegenen befestigten Passstraße Österreichs mit einem Panorama der Sonderklasse. Nach Stärkungspause im Berggasthof Schönblick mit Weitblick auf 2000 m Höhe haben wir auf der Franz-Josef-Höhe den Gletscher gesucht, der außer braunem Schlamm kaum eine Spur hinterlassen hat. Dafür gab es jede Menge Murmelgetier und das Großglockner Auto- und Motorradmuseum, das zwar das höchste, aber nicht das beeindruckendste ist.

 

 

 

Auf unserer Weiterfahrt über die Passhöhe zwang uns ein kurzer aber kräftiger Schauer zum Nothalt mit hektischer fingernagelbrechender Fummelei, die Persenning runter und das Stoffdach hoch zu bringen. Wenige Kilometer weiter konnten wir alles bei Eis und Kaffee wieder zurück zu bauen. In unserem Gasthof Lukashansl in Bruck konnten wir unser Abendessen beim Koch in der Küche auswählen. Nach weinseligem Schlaf, hat uns die Sonne am 4. und letzten Tag auf der Fahrt heimwärts durch das Salzachtal über Mittersill und den alten Gerlospass nach Zell am Ziller geschickt. Im bekannten „Hotel Bräu" haben wir es uns zu Mittag noch einmal richtig gut gehen lassen. Zwischen Vorspeise und Hauptgericht wurden angesichts unserer bald zu Ende gehenden Ausfahrt allseitige sonntägliche Dankesbekundungen ausgetauscht, das Beschwerdebuch musste unbenutzt wieder eingepackt werden. Unsere Koffer waren mit dreieinhalb Tagen voller Erlebnisse schon gut gefüllt, so sollte der verbleibende Rest der Ausfahrt eine Kleinigkeit sein. Einfach das Zillertal hinunter, bei Jenbach schnell über den Inn, hinauf zum Achensee, mit einer Schleife über Lenggries durch die mautpflichtige Jachenau zum Walchensee, die Kesselberg Rennstrecke hinab zum Kochelsee und auf einen Tipp von Kaffeespezialist Norbert zu einem allerletzten Trunk bei Vroni &  Anne in Ohlstadt.  Beim Abschied vertröpfelte uns ein Allgäu wolkiger Willkommensgruß die letzten Kilometer bis nach Hause, aber das war nach 4 sonnigen Tagen fast schon wieder angenehm.

Fazit: Die Karawane zieht weiter, sucht eine neue Oase, mal sehen, wann und wo sie sich wieder trifft.

 

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